
Auftaktseminar in Sulaimaniyah — die erste Gruppe junger Peacebuilder beginnt ihre Ausbildung.
Junge Peacebuilder für Kurdistan
80 junge Menschen werden zu Vermittlerinnen und Vermittlern ausgebildet — und geben in 400 Seminaren weiter, was sie gelernt haben.
In Sulaimaniyah, Chamchamal, Kalar und Ranya wächst eine Generation heran, für die es wenig zu erben gibt. Die Wirtschaftskrise, die 2014 mit dem Krieg gegen den IS und dem Verfall des Ölpreises begann, wirkt bis heute nach. Die Jugendarbeitslosigkeit ist hoch, viele junge Menschen denken über Migration nach, andere werden anfällig für radikale Angebote. Militärisch ist der IS zurückgedrängt — seine Ideologie und seine Strukturen sind in marginalisierten Gebieten weiter aktiv.
Programme zur Friedensarbeit gibt es in der Region Kurdistan durchaus. Nur liegen sie in Erbil und Dohuk, nicht dort, wo diese Jugendlichen leben. Vor Projektbeginn existierte in den vier Zielorten keine einzige strukturierte Initiative junger Peacebuilder.
In vier Gruppen zu je 20 Personen durchlaufen die Teilnehmenden — mindestens die Hälfte von ihnen Frauen — ein fünfzehntägiges Training in drei Modulen: Mediation und Konfliktlösung, Dialog und Gewaltfreiheit, Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Dazu kommen vier Peace Camps und vier regionsübergreifende Round Tables.
Nach der Ausbildung kehrt sich die Richtung um. Alle 80 Ausgebildeten halten mindestens fünf eigene Seminare in Schulen, Hochschulen und Vereinen, jeweils mit höchstens 15 Personen. So entstehen 400 Seminare, an denen rund 6.000 Menschen teilnehmen. Die vier Peace Camps finden in den vier Projektorten statt, je eines in Sulaimaniyah, Chamchamal, Kalar und Ranya.
Seit Oktober 2025 läuft die Ausbildung. In vier Gruppen zu je 20 Personen durchlaufen die Teilnehmenden das fünfzehntägige Training in drei Modulen. Gearbeitet wird mit Fallbeispielen, Rollenübungen und Material, das die Teilnehmenden aus ihrem eigenen Alltag mitbringen.
Damit gibt es in Sulaimaniyah, Chamchamal, Kalar und Ranya zum ersten Mal eine strukturierte Initiative junger Peacebuilder. Bisher gab es solche Friedensprogramme in der Region nur in Erbil und Dohuk.
Ein Ausbildungsplatz für eine junge Peacebuilderin erreicht über ihre Seminare 75 weitere Menschen.
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Als Nächstes folgen die vier Peace Camps. Dort wandern, kochen und zelten junge Menschen unterschiedlicher ethnischer und religiöser Herkunft gemeinsam. In Musik-, Kunst- und Erzählwerkstätten üben sie Mediationstechniken. Anschließend bringen vier regionsübergreifende Round Tables alle Teilnehmenden an einen Tisch.
Danach geben die Ausgebildeten in ihren Seminaren weiter, was sie gelernt haben. Die Themen reichen von Menschenrechten und Bürgerengagement über die Prävention geschlechtsspezifischer Gewalt bis zu Medienkritik und Online-Sicherheit. Parallel setzt die mehrsprachige Seite „Peace Matters“ der Hassrede in sozialen Medien etwas entgegen. Zusammen mit kurzen Filmen und einem TV-Format soll das Projekt so mehr als 50.000 Menschen erreichen.
Das Projekt hinterlässt keine Gebäude und keine laufenden Betriebskosten — es hinterlässt Menschen, die etwas können. Mindestens 40 der Ausgebildeten sollen innerhalb eines Jahres ein eigenes Friedensprojekt oder eine Dialoginitiative starten, mindestens zehn neue Kooperationen zwischen Organisationen entstehen.
Die Methoden und Materialien bleiben frei zugänglich, die Räume sind öffentlich, das Netzwerk aus lokalen Organisationen, Trainerinnen und Mentoren trägt weiter.

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